Wenn der Sportplatz zur Kinderfolter wird

10.6.17

Ehrgeizige Eltern Sport

Ja, ich übertreibe. Aber eigentlich auch nicht. Und ich gebe zu, dass ich auch nicht immer die perfekte Mutter bin und manchmal einfach zu viel von meinem Sohn erwarte. Aber das, was ich hier in der Ballschule beobachten muss, das macht mich traurig und ich war drauf und dran, was zu sagen. Aber das kann man ja irgendwie auch nicht machen. Was genau ich meine? Superehrgeizige Eltern, die ihre Kinder zu Sachen zwingen, zu denen sie aber überhaupt keine Lust haben.
Welche Sportart mit 5

Bei uns direkt um die Ecke gibt es einen sehr guten, gepflegten Hockey- und Tennisclub. Fast alle Eltern hier im Umkreis hätten gerne, dass ihre Kinder hier anfangen. Weil die Leute nett sind, weil der Verein einen guten Ruf hat und weil das Gelände traumhaft schön ist. Als Finn drei wurde, haben wir es das erste Mal probiert. Er wollte noch nicht mal auf den Platz. War überhaupt nichts für ihn. Ich muss zugeben, ich war enttäuscht. War doch sein gleichaltriger Freund so mit Feuereifer bei der Sache. Und überhaupt machen alle Kinder mit, nur meins nicht. 
Das denkt man dann und das ist so bescheuert. Weil erstens war es gar nicht so und zweitens wäre es auch egal. Wenn das Kind nicht will, dann will es eben nicht. Genau genommen haben außer diesem einen Freund fast alle nicht richtig mitgemacht. Zu früh, zu wenig spielerisch. Finn wollte lieber auf den Spielplatz bei den Tennisplätzen. Gut, haben wir das gemacht und kamen erst ein Jahr später wieder, um es nochmal zu probieren. Leider gleiches Spiel. Der Hockeyschläger wurde geholt und dann nur Quatsch gemacht. Nochmal ein Jahr später, also jetzt, macht Finn zwar mit und das auch gar nicht schlecht, aber wenn ich ihn frage, ob er wieder hin möchte, dann sagt er nein. Und somit lassen wir es und probieren es vielleicht nächstes Jahr oder auch nicht.
Ballschule Frankfurt

Jetzt macht Finn seit einigen Wochen Ballschule. Das sind Spiele mit den verschiedensten Bällen und jetzt mit 5 macht ihm das richtig Spaß. Zur Ballschule möchte er gehen, wir werden das auch nach den Ferien weiter machen. 
Aber jetzt kommen wir zu den Eltern, die ich mit meiner Überschrift meine. Ein paar der Kinder sind noch sehr klein, 3 Jahre alt etwa. Sie möchten nicht mitmachen. Beobachtet habe ich eine Mutter, die ihr Kind an der Hand auf den Rasen zog. Das Kind sträubte sich und weinte. Was erhofft sie sich davon? Das Kind hat sich dann hinter dem Tor versteckt und die Mutter peinlicherweise die Spiele mitgemacht, um ihren Sohn zu motivieren. Das fanden die anderen Kinder bestimmt auch etwas befremdlich. Hat den Sohn aber auch in keinster Weise interessiert. Im Gegenteil. Während die Mutter Spiele machte, ist er einfach abgehauen. Sie ist ihm dann hinterher und hat ihn in einer mir leider nicht verständlichen Sprache angebrüllt. Ich kann mir vorstellen, was es in etwa heißen sollte. Der Junge hat bitterlich geweint und mir unheimlich Leid getan. Beim nächsten Training leider das gleiche Spiel.
Mütter auf dem Sportplatz

Ich frage mich, was die Mutter sich dabei denkt. Wozu soll der Junge in die Ballschule gehen? Dass sie sagen kann, dass er das macht oder weil es ihm Spaß machen soll? Ich glaube, viel zu viele Eltern überhäufen ihre kleinen Kinder mit Terminen, zu denen sie am liebsten nicht mehr gehen würden. Aus diesem Grund haben wir jetzt auch die Musikschule gekündigt. Finn hat das drei Jahre gemacht und es hat ihm auch immer Spaß gemacht. Jetzt hat er gesagt, dass er nicht mehr hingehen möchte, es wäre langweilig. Klar finde ich das ein bisschen schade, aber ich zwinge mein Kind nicht. Vorerst machen wir also nur die Ballschule und bis zum Winter noch Kinderturnen. Ansonsten werde ich einfach verschiedene Sachen mit ihm unternehmen. Oder viel zu Hause sein mit seinem neuen Geschwisterchen, das dann da sein wird.

Habt ihr solche Eltern auch schon mal beobachtet oder ertappt ihr euch dabei, manchmal auch mehr zu wollen als euer Kind? Welche Unternehmungen macht ihr denn mit euerm Kind so in der Woche?

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9 liebe Worte

  1. Bei uns sind Nachmittagstermine für den Großen (6 Jahre) im Moment das wöchentliche Turnen und Fußballtraining, der Mittlere (3 Jahre) geht ebenfalls zum Turnen.

    Zwingen würde ich keins meiner Kinder, allerdings überrede ich sie schon ein paar Mal doch hinzugehen, wenn sie zu Hause auf einmal auf die Idee kommen, heute nicht hingehen zu wollen. Auf die Frage, wie es war, wurde dann allerdings auch immer begeistert erzählt, wie toll es war!

    Zu viele Termine finde ich nicht gut, sie sollen auch Zeit haben, sich mit ihren Spielsachen zu Hause zu beschäftigen oder sich mit Freunden zu verabreden.
    Eine durchgetaktete Woche kommt noch schnell genug, wenn es erstmal in die Schule oder weiterführende Schule geht.

    Ich frage mich nur, wie das für mich als Mama-Taxi wird, wenn ich drei Kinder mit Nachmittagsveranstaltungen habe, zu denen ich sie fahren muss ��.

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    1. Ich habe auch immer großen Respekt vor Eltern mit mehr als zwei Kindern. Das muss ja echt alles gut geregelt werden. Aber wenn sie größer werden, können sie das ja auch vielleicht mal alleine machen.
      LG Steffi

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  2. Mein Sohn ist jetzt 6,5 Jahre. Er wollte früh ins Kinderturnen und hatte mächtig Spaß daran. eigentlich alle Kinder. Dann ging es in die nächste Gruppe (Eltern mußten draussen warten), das fand er schon nicht mehr so gut, ging aber noch hin, weil es ihm grundsätzlich spaß gemacht hat. Eines tages hatte er einen Streit mit der Trainerin. So wie sie es erzählt hat, kann ich den Streit nachvollziehen. Sie war auch nicht nachtragend, wollte keine Entschuldigung, er mußte in der Stunde nur mal kurz am Rand sitzen. Dann war´s vorbei. Ich habe ihm 2 Monate Ruhe gegeben und als er dann immer noch nicht wieder hingehen wollte, habe ich ihn abgemeldet.
    Kurz drauf hat er mit dem Tanzen angefangen. Das macht er jetzt shcon 3 Jahre. und er ist begeistert. Das ist der einzige Termin, wo ich ihm nur sagen muß, gleich geht es los. Ja,... ab und an fällt es ihm schwer sich aus dem Spiel zu trennen, aber er liebt es dann doch. Ich darf es aber niemanden erzählen, denn Tanzen ist ja Mädchenkram. Dabei hatte er nun schon 2 Auftritte - richtig vor Publikum und er so als Hahn im Korb konnte die Mädels um sich scharen. Er hat es genossen. Das will er auch gern weitermachen.

    Inzwischen denke ich, einen zweiten Termin die Woche wäre nicht schlecht, vielleicht Schwimmen, Chor, Schauspielern oder Forschen. Bisher habe ich aber noch nichts gefunden.

    Tja,.... und dann gibt es ja auch noch die Tochter, sie wird jetzt bald 3. Dann darf auch sie anfangen zu tanzen. Das wird dann allerdings nacheinander erfolgen, erst sie, dann er. Und ich muß zweimal je eine Stunde mit einem Kind Zeit totschlagen.

    Und dann noch einen weiteren Termin oder vielleicht noch für sie einen weiteren Termin.... davor gruselt mir!

    LG
    Zottellotte Sonja

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    1. Forschen ist ja cool. Gibt es sowas bei euch? Das wäre voll was für Finn, aber ich wüsste nicht, dass die hier sowas anbieten.
      LG Steffi

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  3. Um ehrlich zu sein haben wir gar keine festen Termine. Mein Sohn (5) möchte einfach zu nix hin. Ich hab schon allerlei angeboten: Karate, Fussball, Turnen oder Musikschule. Er mag nicht. In der Kita spielt er Fussball mit und ist auch sonst recht sportlich veranlagt. Ich finde es etwas schade, dass er nichts probieren möchte, aber ich will ihn auch nicht zwingen. Ich habe als Kind viel ausprobieren können und bin bei einigen Sachen auch länger hängengeblieben. Aber gut, wir haben ja noch Zeit und andersherum können wir so immer spontan etwas unternehmen oder jmd. besuchen. Das ist auch viel Wert!

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    1. Ich finde das auch voll ok. Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich gerne Termine, weil ich es sonst manchmal langweilig finde, nur zu Hause zu sein und die Freunde können ja auch nicht immer. Aber für die Kinder ist das gar nicht so schlecht.
      LG Steffi

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  4. Mit unserer Tochter (heute 22) wollte ich ja auch so einiges machen. Und habe ich auch. Als sie laufen konnte sind wir zum mutter/kind-Turnen gegangen. Das hat viel Spass gemacht und niemand wurde zu irgendetwas gedrängt oder genötigt, da hat die kursleiterin auch sehr darauf geachtet. Dann ist sie die ganze Grundschulzeit lang immer zum Turnen gegangen. Ich wollte aber etwas für die musikalische Bildung des Kindes tun und habe sie in der Musikschule angemeldet. (instrumentenkarrussel und frühkindliche Musikerziehung) Hat sie zwei jahre lang von drei bis fünf mitgemacht, aber nie mit grosser Begeisterung. Und es gab noch ein kurzes zwischenspiel in einer englischen spielgruppe. Hat ihr nie so richtig spass gemacht, dann haben wir es gelassen. Der skikurs war mit einem Tag abgehakt.Da wir aber in einer "pferdegegend" wohnten ist sie mit 5 jahren zum reiten gekommen (unn das mir, die panische Angst vor Pferden hat), sehr durch Zufall. Und das war dann ganz ihr Sport. Sie reitet immer noch und zwar ziemlich gut. Mein Fazit: wenn eine kind eine besonders grosse Begabung in einer Hinsicht hat, wird es das selber artikulieren und den Willen haben, zu zeichnen, zu musizieren, Tennis zu spielen, was auch immer. Aber ansonsten ist ihnen mit der Möglichkeit zum freien Spielen und Toben sehr viel mehr gedient, als mit angeleiteten Tätigkeiten in einem festen Zeitkorsett. Es gab nur eine Sache, auf der ich bestanden habe: schwimmen lernen! Das fand und finde ich enorm wichtig. Und das fand im freibad im Mai statt und es war lausig kalt. Aber sie hat ihr seepferdchen mit 5 jahren gemacht.
    Jetzt ist das Kind erwachsen und eine recht gute Sportlerin (reiten, schwimmen, rudern, paddeln und...skifahren). Eine begeisterte Leserin, kann gut schreiben und ist eine kreative Strickerin. Und das ohne das wir irgendetwas forciert hatten.

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    1. Das hört sich super an. Und sie wollte dann nie ein Instrument spielen? Das mit dem Schwimmen fände ich ehrlich gesagt auch gut, aber er will einfach partout nicht in Wasser, in dem er nicht stehen kann. Es hat überhaupt keinen Sinn, ihn da anzumelden. Vielleicht probiere ich es aber im Winter nochmal.
      LG Steffi

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  5. Das mit dem schwimmen war ziemlich schwierig. Sie wäre mit anderthalb im ganz flachen ostseewasser fast ertrunken. Gestolpert und dann Schwierigkeiten mit dem aufstehen. Wir hatten Sie gleich am Schlafittchen aber dann war Wasser ein Drama. Badewanne nur zwei Zentimeter hoch und ich musste immer mit rein. Du kannst mir glauben, das ist sehr kühl und ungemütlich. So viel kannst du ein Bad gar nicht heizen.als im Skiurlaub dann mit vier der skikurs nach einem Tag für sie beendet war, wg. keine Lust, ist ihr Papa mit ihr jeden Tag ins Hallenbad gegangen. (Sein Kurs war auch nach einem Tag beendet. Daumen.) und hat sie immer auf dem Arm durchs Becken getragen. Stundenlang. Bis sie sich mal hat an den Armen durch das Wasser ziehen lassen. Auch ohne Füße auf dem Boden. Aber alles mit viel Geduld. Und der Bademeister der damals den Kurs durchführte war auch ein Wunder an Geduld. Zum Seepferdchen gehörte auch tauchen und Kopf unter Wasser war auch mit fünf noch ein Problem. Aber die beiden haben es geschafft. Auf Mallorca ist sie dann (der Urlaub war direkt danach und der Grund furs schwimmenlernen) vom Boot ins Meer gesprungen. Und mit sechs dann im Freibad vom Fünfer. Heute ist sie übrigens auch ausgebildete Rettungsschwimmerin. Aber Musikinstrument? No way. Interessiert sie null. Ist halt so.

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Ich freue mich riesig über nette Kommentare!